Vier Wochen ist es her, da tat Erika Steinbach, was sie am liebsten tut: Sie setzte einen zweifelhaften Tweet in die Welt


Erika Steinbach bei der Bundesversammlung des Bundes der Vertriebenen 2014

Erika Steinbach veröffentlicht immer wieder umstrittene Tweets

 
 

Vier Wochen ist es her, da tat Erika Steinbach, was sie am liebsten tut: Sie setzte einen zweifelhaften Tweet in die Welt. Die CDU-Politikerin postete ein Foto, auf dem ein kleines, blond gelocktes Kind zu sehen war. Es stand umringt von freundlichen indischen Kindern, die es anlachten und offenbar als Attraktion wahrnahmen. So weit, so harmlos, möchte man meinen.

Weil Steinbach mit dem Bild aber natürlich eine Aussage zu verbreiten gedachte, garnierte sie das Foto mit einem kurzen Text. „Deutschland 2030“, stand darüber, und darunter: „Woher kommst du denn?“ Die Botschaft war klar: Der weiße, blonde Mensch – denn so sehen bekanntlich alle Menschen in Deutschland aus – drohe im eigenen Land zum Fremden zu werden. Vertrieben von, nun ja, Indern. Oder eben Migranten. Von irgendwie dunklen, fremdländisch aussehenden Menschen im Allgemeinen.

Der Tweet sorgte für Empörung, er sei geschmacklos, fanden viele. Das NDR-Magazin „Zapp“ versuchte daraufhin, die Geschichte hinter dem Bild aufzuspüren. Und fand heraus: Die Eltern des Kindes hatten mit ihrem Foto nur Gutes im Sinn und sind entsetzt darüber, wie ihr Sohn instrumentalisiert wird.

Hier lesen Sie den gesamten NDR-Bericht zur „Zapp“-Recherche.

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Nutzer liefern Hinweise

Wie das „Zapp“-Team herausfand, kursiert das Foto in ähnlichem Zusammenhang schon länger im Netz. Die Aussage ist immer dieselbe: Migranten drohten Europäer zu verdrängen, die Dunkelhäutigen die Blonden. Nach den ersten Rechercheergebnissen beschloss die Redaktion, auch die Nutzer sozialer Netzwerke um Hilfe zu bitten. Und tatsächlich trudelte irgendwann der entscheidende Hinweis ein: In Foren war als Aufnahmeort des Fotos ein Kinderheim inIndien angegeben. Die Spur führte von dort weiter zu einem amerikanischen Online-Magazin. Dort hatte ein Australier das Bild im Januar 2012 gepostet, es soll den Sohn australischer Eltern zeigen.

Namentlich genannt werden will die Familie nicht. „Zapp“ zufolge konnte das Magazin aber Kontakt mit ihnen aufnehmen und sie zur Geschichte des Bildes befragen. Demnach entstand das Foto im Jahr 2011 bei einem Besuch in dem Kinderheim. Um die Bildrechte scherte sich Steinbach natürlich nicht. „Wir sind sehr traurig, dass das Bild für solche Propaganda verwendet wird. Wir hatten genau das Gegenteil im Sinn“, sagte die Familie zur Redaktion.

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Lutz Kinkel

Man habe gehofft, dass das Kinderheim von der Aufmerksamkeit profitieren könne, so die Eltern dem Bericht zufolge. Sie hätten dort während eines Urlaubs Spenden übergeben. „Das Foto entstand in einem sehr schönen Moment voller Liebe und Freude. Er zeigt das Miteinander verschiedener Kulturen und von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen“, zitiert das Magazin den Vater.

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